Kita-Raum · Ideen & Wissen
Wie Kinder mit Angst und Aufregung umgehen lernen

Das Herz klopft schneller, der Bauch kribbelt, die Hände werden feucht – vor dem ersten Sprung von der hohen Rutsche, vor dem Auftritt beim Sommerfest, oder einfach vor etwas Neuem und Unbekanntem. Aufregung und Angst fühlen sich im Körper oft ganz ähnlich an, gerade auch bei Kindern im Kindergartenalter. Wie sie lernen, mit diesen Gefühlen umzugehen, begleitet sie ein Stück weit durchs ganze Leben.
Warum Angst und Aufregung so nah beieinander liegen
Körperlich unterscheiden sich Angst und Aufregung kaum: schnellerer Herzschlag, mehr Energie, erhöhte Aufmerksamkeit. Der Unterschied liegt vor allem in der Bewertung: Ist die Situation bedrohlich oder spannend? Kinder im Vorschulalter können das noch nicht immer klar trennen. Deshalb kann derselbe Moment – zum Beispiel die erste Fahrt mit dem Kettcar den kleinen Hügel hinunter – für das eine Kind pure Freude und fürs andere echte Angst bedeuten.
Was Kindern hilft, statt sie zu beruhigen
Ein reflexhaftes „Da ist doch nichts, wovor du Angst haben musst“ hilft selten wirklich weiter – für das Kind fühlt sich die Angst schließlich echt an. Hilfreicher ist es, das Gefühl erst einmal anzuerkennen: „Ich sehe, dass dir das gerade unheimlich ist.“ Das nimmt dem Kind nichts weg, gibt ihm aber das Gefühl, verstanden zu werden. Von dort aus lässt sich gemeinsam schauen, was helfen könnte: eine Hand zum Festhalten, ein kleiner Schritt statt des großen Sprungs, oder einfach noch ein bisschen Zeit zum Zuschauen, bevor man selbst mitmacht.
Aufregung als Kraftquelle nutzen
Genauso wichtig ist es, positive Aufregung nicht zu unterdrücken, sondern zuzulassen. Vor einem besonderen Ereignis – dem Geburtstag, dem ersten Schultag, dem ersten Auftritt beim Kita-Fest – dürfen Kinder ruhig aufgeregt sein. Diese Energie ist keine Störung, sondern gehört zum Erlebnis dazu. Wir versuchen, dafür Raum zu geben, statt sie wegzureden, zum Beispiel indem wir vorher gemeinsam darüber sprechen, was passieren wird, und die Vorfreude bewusst mitfeiern.
Was wir in der Kita beobachten und tun
Bei uns zeigt sich das ganz unterschiedlich: manche Kinder brauchen vor neuen Situationen erst einmal Abstand und schauen lieber eine Weile zu, andere stürzen sich sofort hinein. Beides ist normal. Wir versuchen, jedem Kind seinen eigenen Weg zuzugestehen, ohne es zu drängen, aber auch ohne es vor jeder Herausforderung zu bewahren. Kleine, gut begleitete Mutproben – der erste Sprung ins flache Wasser, das erste Gedicht vor der Gruppe – stärken langfristig das Vertrauen, dass man mit aufregenden und auch beängstigenden Momenten umgehen kann.
Wenn Ihr Kind das nächste Mal vor etwas Neuem zögert: Ein Moment des Verständnisses wirkt oft mehr als jede gut gemeinte Beruhigung.
Laura