Kita-Raum · Ideen & Wissen
Der barmherzige Samariter: ein Morgenkreis mit Geschichte, Spiel und Basteln

Ein Morgenkreis über Helfen und Hinschauen
Kennst du das Gefühl, wenn jemand hinfällt und du einfach stehen bleibst und hilfst, ohne lange zu überlegen? Genau darum soll es heute im Morgenkreis gehen: um einen Mann, der auf dem Weg liegen bleibt – und um jemanden, der als Einziger stehen bleibt, um zu helfen. Wir hören eine kurze Geschichte, bewegen uns als kleine Helferinnen und Helfer durch den Raum und basteln am Ende ein eigenes Pflaster-Herz zum Verschenken.
Die Geschichte
Ein Mann war auf einer langen Straße unterwegs, von einer Stadt zur anderen. Der Weg war staubig und einsam. Plötzlich kamen Räuber, nahmen ihm alles weg und ließen ihn verletzt am Straßenrand liegen. Der Mann konnte nicht mehr aufstehen. Er wartete und hoffte, dass jemand vorbeikommen und ihm helfen würde.
Nach einer Weile kam tatsächlich jemand den Weg entlang. Er sah den verletzten Mann – und ging einfach weiter. Kurz darauf kam noch jemand. Auch er sah den Mann liegen, machte aber einen großen Bogen um ihn herum und ging weiter. Der Mann am Boden fühlte sich immer trauriger und einsamer.
Dann kam ein dritter Reisender den Weg entlang. Er war eigentlich auf dem Weg zu einem wichtigen Termin und kannte den verletzten Mann überhaupt nicht. Aber als er ihn sah, blieb er stehen. Er ging zu ihm hin, kniete sich neben ihn, wusch seine Wunden und verband sie vorsichtig mit einem Tuch. Dann half er dem Mann, sich aufzusetzen, und brachte ihn an einen sicheren Ort, wo er sich ausruhen und gesund werden konnte. Der Reisende hat nicht gefragt, ob der Mann aus seinem Dorf kommt oder ob sie sich kennen. Er hat einfach gesehen: Hier braucht jemand Hilfe – und das hat gereicht.
Das Bewegungsspiel: Helfer-Rollenspiel
Nach der Geschichte dürfen die Kinder selbst zu kleinen Helferinnen und Helfern werden.
So geht es:
1. Die Gruppe steht im Kreis oder verteilt sich im Raum. Ein Kind (oder ein Kuscheltier) legt sich vorsichtig auf eine weiche Matte oder ein Kissen in die Mitte und spielt, dass es sich „das Bein verletzt“ hat – ganz ohne echten Schmerz, nur zum Spielen.
2. Die anderen Kinder gehen nacheinander im Kreis an der „verletzten“ Person entlang. Bei den ersten zwei oder drei Kindern ruft die Erzieherin oder der Erzieher: „Schnell vorbei!“ – die Kinder gehen zügig weiter, ohne stehen zu bleiben.
3. Beim nächsten Kind ruft sie oder er: „Stopp – hier wird geholfen!“ Das Kind bleibt stehen, kniet sich neben die „verletzte“ Person, tut so, als würde es trösten oder ein Pflaster aufkleben, und hilft beim Aufstehen.
4. Danach darf jedes Kind einmal die Rolle des Helfers oder der Helferin übernehmen, damit alle einmal „Stopp – hier wird geholfen“ rufen und handeln dürfen.
5. Zum Abschluss sprechen alle gemeinsam: „Wenn jemand Hilfe braucht, bleibe ich stehen.“
Das Spiel dauert etwa 10 bis 15 Minuten, je nach Gruppengröße.
Die Bastelarbeit: Pflaster-Herz
Materialien:
– Rotes oder rosa Tonpapier (für ein Herz)
– Weißes Papier oder echte Pflaster/Wundpflaster (als Deko)
– Schere
– Klebstoff
– Buntstifte oder Wackelaugen (optional)
– Ein Stück Schnur oder Band (optional, zum Aufhängen)
So geht es:
1. Aus dem roten oder rosa Tonpapier wird ein Herz ausgeschnitten (bei kleineren Kindern schneidet die Erzieherin oder der Erzieher vor, die Kinder können die Linie selbst malen).
2. Aus dem weißen Papier werden zwei oder drei kleine Streifen ausgeschnitten, die wie Pflaster aussehen – oder es werden echte, kleine Wundpflaster quer über das Herz geklebt.
3. Das Herz darf nach Lust und Laune bemalt oder mit Wackelaugen verziert werden.
4. Wer möchte, klebt ein Stück Schnur an die Rückseite, damit das Pflaster-Herz aufgehängt werden kann.
5. Zum Schluss darf jedes Kind sein Pflaster-Herz jemandem schenken – einem Freund, einer Freundin oder einem Familienmitglied – als kleines Zeichen: „Ich bin für dich da, wenn du Hilfe brauchst.“
Der Abschluss
Zum Ende des Morgenkreises legen alle Kinder eine Hand auf die eigene Brust und sprechen leise gemeinsam: „Ich schaue hin. Ich bleibe stehen. Ich helfe.“ Danach darf jedes Kind einmal tief durchatmen, bevor der Morgenkreis endet.
Ich hoffe, dieser Morgenkreis bringt euch und euren Kindern viele schöne Momente des Hinschauens und Helfens. Bis zum nächsten Mal!
Eure Laura