Kita-Raum · Ideen & Wissen
Das Senfkorn, das wächst: ein Morgenkreis mit Geschichte, Spiel und Basteln

Kennt ihr das Gefühl, wenn man etwas ganz Kleines in der Hand hält und kaum glauben kann, dass daraus einmal etwas Großes werden soll? Genau darum soll es heute im Morgenkreis gehen: um ein winziges Körnchen, das zu etwas Großem heranwächst. Wir hören eine kurze Geschichte, werden selbst zu kleinen Samen, die groß und größer werden, und pflanzen am Ende sogar ein echtes Körnchen in die Erde.
Die Geschichte
Ein Mann hatte ein winziges Körnchen in der Hand. Es war so klein, dass man es fast gar nicht sehen konnte — kleiner als ein Krümel, kleiner als ein Reiskorn. „Was soll denn aus so einem kleinen Ding werden?“, dachte er. Trotzdem grub er ein kleines Loch in die Erde, legte das Körnchen hinein und bedeckte es vorsichtig. Dann goss er ein bisschen Wasser darüber und wartete.
Tage vergingen. Zuerst passierte gar nichts — die Erde blieb einfach braun und still. Aber dann, eines Morgens, schob sich ein winziger grüner Spross aus dem Boden. Er wuchs und wuchs, Tag für Tag ein kleines bisschen mehr. Er wurde zu einem Stängel, dann zu einem Strauch mit vielen Zweigen, und am Ende war er so groß, dass Vögel darin ihre Nester bauen konnten. Aus dem winzigsten aller Körner war etwas geworden, in dem viele andere ein Zuhause fanden. So ist das manchmal: Etwas, das ganz klein beginnt — eine kleine Geste, eine kleine Freundschaft, ein kleines bisschen Mut — kann mit der Zeit zu etwas ganz Großem heranwachsen.
Das Bewegungsspiel
„Klein zu groß“ — das Wachstumsspiel
Alle Kinder kauern sich ganz klein und eng zusammen auf dem Boden, die Arme um die Knie geschlungen — so klein wie ein winziges Senfkorn. Dann beginnt die Erzieherin oder der Erzieher langsam zu erzählen, und die Kinder wachsen mit der Geschichte mit:
„Die Sonne scheint warm auf die Erde…“ — die Kinder heben langsam den Kopf.
„Ein kleiner grüner Spross schiebt sich nach oben…“ — die Kinder richten sich ein kleines Stück auf, auf die Knie.
„Der Regen fällt und der Stängel wird stärker…“ — die Kinder stehen langsam auf.
„Die Zweige strecken sich nach allen Seiten aus…“ — die Kinder breiten die Arme weit aus.
„Jetzt ist aus dem kleinen Korn ein großer, starker Strauch geworden!“ — alle stehen groß und stolz da, Arme wie Zweige ausgebreitet.
Man kann die Runde mehrmals wiederholen, mal ganz langsam, mal etwas schneller, und am Schluss „fliegen“ ein oder zwei Kinder als kleine Vögel zwischen den „Zweigen“ der anderen hindurch und suchen sich ein Nest zum Landen. Das Spiel dauert etwa 5 bis 8 Minuten und lässt sich beliebig oft wiederholen.
Die Bastelarbeit
Ein eigenes Körnchen einpflanzen
Material (pro Kind):
- ein kleiner Becher oder Joghurtbecher (mit ein paar Löchern im Boden für das Wasser)
- etwas Blumenerde
- ein paar Kressesamen oder Senfkörner (im Gartenmarkt oder Supermarkt erhältlich)
- ein Löffel zum Befüllen
- eine kleine Gießkanne oder ein Becher Wasser
- ein Stift und ein Stück Papier oder Klebeband für ein Namensschild
So geht’s:
- Jedes Kind füllt seinen Becher mit Erde, bis er fast voll ist.
- Mit dem Finger ein kleines Loch in die Erde drücken.
- Ein oder zwei Samenkörner vorsichtig in das Loch legen.
- Das Loch mit etwas Erde bedecken und leicht andrücken.
- Vorsichtig etwas Wasser darübergießen — nicht zu viel, die Erde soll nur feucht werden.
- Den eigenen Namen auf ein Schild schreiben (oder von der Erzieherin aufschreiben lassen) und am Becher befestigen.
- Den Becher auf eine helle Fensterbank stellen und von nun an jeden Tag ein kleines bisschen gießen und beim Wachsen zusehen.
Nach wenigen Tagen zeigen sich die ersten grünen Spitzen — und die Kinder können live miterleben, wie aus einem winzigen Korn tatsächlich etwas Neues wächst.
Der Abschluss
Zum Abschluss können alle Kinder noch einmal ganz kurz in die kleine, gekauerte Haltung vom Anfang zurückgehen und sich still fragen: Was ist bei mir heute noch ganz klein, das vielleicht einmal groß werden darf? Ein kleiner Gedanke, eine Geste, eine Freundschaft. Dann richten sich alle gemeinsam langsam wieder auf — als Zeichen dafür, dass auch das Kleinste in uns wachsen darf.
Ich wünsche euch einen Morgenkreis voller kleiner Wunder, die groß werden dürfen.
Eure Laura