Kita-Raum · Ideen & Wissen
Der Sämann und die Saat: ein Morgenkreis mit Geschichte, Spiel und Basteln

Ein Morgenkreis vom kleinen Samenkorn
Hast du schon einmal ein winziges Samenkorn in der Hand gehalten und dir vorgestellt, was daraus werden kann? Genau darum soll es heute im Morgenkreis gehen: um einen Sämann, der seine Körner mit viel Geduld aussät, und um die Frage, was ein kleines Korn alles braucht, um groß und stark zu werden. Wir hören eine kurze Geschichte, bewegen uns wie wachsende Pflanzen und basteln am Ende unser eigenes Samenkorn-Bild.
Die Geschichte
Es war einmal ein Bauer, der jeden Morgen mit einem Beutel voller kleiner Körner auf sein Feld ging. Mit großen, ruhigen Schritten ging er über die Erde und ließ die Körner aus seiner Hand fallen – eines nach dem anderen, hier eines, dort eines. Manche Körner fielen auf den harten Weg, und die Vögel kamen und pickten sie auf. Andere fielen zwischen Steine, wo nur wenig Erde war; sie wuchsen schnell, vertrockneten aber bald wieder, weil ihre Wurzeln nicht tief genug reichen konnten. Wieder andere fielen zwischen Dornen, die höher wuchsen als die zarten Pflänzchen und ihnen das Licht nahmen.
Aber einige Körner fielen auf gute, weiche Erde. Dort geschah etwas Besonderes: Tag für Tag, ganz langsam und leise, bildete sich unter der Erde ein kleines Wurzelchen. Dann schob sich ein zarter grüner Halm nach oben, dem Licht entgegen. Niemand konnte zusehen, wie genau das Wachsen passierte – aber nach vielen Tagen stand dort eine kräftige Pflanze, die selbst wieder viele neue Körner trug. Der Bauer freute sich über jede einzelne Pflanze, die aus der guten Erde gewachsen war, denn er wusste: Gute Erde braucht Zeit, Geduld und ein bisschen Vertrauen – und am Ende wird daraus etwas ganz Großes.
Das Bewegungsspiel: „Wachsen wie eine Pflanze“
Für dieses Bewegungsspiel kauern sich alle Kinder ganz klein zusammen auf den Boden, so wie ein winziges Samenkorn, das tief in der Erde liegt.
- Alle Kinder machen sich klein und rund, die Arme um die Knie geschlungen, der Kopf nach unten gebeugt – das Samenkorn schläft tief in der dunklen Erde.
- Die Erwachsene oder der Erwachsene erzählt leise: „Es regnet ein wenig … die Sonne wärmt die Erde … und ganz langsam beginnt sich das Korn zu bewegen.“
- Auf dieses Zeichen hin bewegen sich die Kinder ganz langsam: Erst streckt sich eine Hand wie ein kleines Wurzelchen nach vorne, dann richten sie sich Stück für Stück auf.
- Langsam wachsen die Kinder in die Höhe – erst gebeugt, dann aufrechter, bis sie schließlich mit ausgestreckten Armen ganz groß und gerade stehen, wie eine Pflanze, die der Sonne entgegenstreckt.
- Zum Schluss dürfen sich die „Pflanzen“ sanft im Wind wiegen, indem sie sich leicht von einer Seite zur anderen bewegen.
Das Spiel kann zwei- oder dreimal wiederholt werden und dauert insgesamt etwa 5 Minuten. Es eignet sich gut, um nach dem Zuhören wieder in Bewegung zu kommen.
Die Bastelarbeit: Samenkorn-Bild
Material:
- Ein Stück braunes oder beige Tonpapier (als „Erde“)
- Grünes Tonpapier oder grüne Wolle/Fäden für den Stängel und die Blätter
- Echte kleine Samen (zum Beispiel Sonnenblumenkerne, Bohnen oder Linsen) oder braune Knöpfe/Bastelkügelchen als Ersatz
- Klebstoff
- Ein Blatt festes Papier oder dünner Karton als Unterlage
- Bunte Stifte für die Sonne und kleine Details
So geht’s:
- Das braune Tonpapier wird unten auf das Blatt geklebt – das ist die Erde, in der das Samenkorn liegt.
- Mitten in die „Erde“ klebt jedes Kind ein echtes Samenkorn (oder einen Knopf) als Symbol für das kleine Korn in der Geschichte.
- Vom Samenkorn aus wird mit grüner Wolle oder einem Streifen grünem Papier ein Stängel nach oben geklebt, der aus der Erde herauswächst.
- Oben am Stängel kommen ein oder zwei grüne Blätter dazu, die aus Papier ausgeschnitten oder einfach aufgemalt werden.
- Zum Schluss darf noch eine Sonne in die obere Ecke gemalt werden, die der Pflanze beim Wachsen hilft.
Dieses Bild kann gut sichtbar aufgehängt werden und erinnert die Kinder in den nächsten Tagen immer wieder an die Geschichte vom Samenkorn, das Zeit zum Wachsen braucht.
Der Abschluss
Zum Abschluss des Morgenkreises können sich alle Kinder noch einmal kurz die Hände reichen und gemeinsam leise sagen: „Auch wir dürfen wachsen – jeden Tag ein kleines Stück.“ Ein kurzer Moment der Stille rundet den Morgenkreis ruhig ab, bevor es in den weiteren Tag geht.
Ich hoffe, diese Geschichte vom Sämann begleitet euch und eure Kinder gut durch den Tag – manchmal braucht es eben Zeit, Geduld und gute Erde, damit etwas Schönes wachsen kann. Alles Gute euch allen!
Laura