
Wer Kinder beobachtet, sieht schnell: Sie sitzen selten still. Sie klettern, hüpfen, balancieren auf der Bordsteinkante, drehen sich im Kreis, bis ihnen schwindelig wird. Was für Erwachsene manchmal wie pure Unruhe aussieht, ist in Wirklichkeit harte Arbeit fürs Gehirn. Bewegung und Lernen gehören bei kleinen Kindern viel enger zusammen, als man auf den ersten Blick denkt.
Der Körper denkt mit
Kleine Kinder begreifen die Welt zunächst über ihren Körper, nicht über Worte oder Erklärungen. Wenn ein Kind einen Bauklotzturm baut und dabei balanciert, spürt es, wie Gewicht und Gleichgewicht zusammenhängen – lange bevor es das in Worte fassen könnte. Wenn es über eine Slackline oder einen Baumstamm läuft, trainiert es nicht nur seine Muskeln, sondern auch, wie Augen, Ohren und Körper zusammenarbeiten müssen, damit es nicht umfällt. Diese körperlichen Erfahrungen sind die Grundlage, auf der später abstrakteres Denken aufbaut.
Warum Zappeln oft ein gutes Zeichen ist
Viele Eltern kennen die Sorge: Mein Kind kann nicht stillsitzen, ist das ein Problem? Bei den meisten Kindern ist genau das Gegenteil der Fall. Bewegung hilft dabei, sich zu konzentrieren, statt davon abzulenken. Ein kurzer Lauf über den Hof, ein paar Hampelmänner oder einfach ein Wechsel zwischen Sitzen und Stehen können einem Kind helfen, danach ruhiger und aufmerksamer bei einer Aufgabe zu bleiben. Wir versuchen deshalb, Bewegung nicht als Gegensatz zum Lernen zu sehen, sondern als seinen natürlichen Verbündeten.
Bewegung im Kita-Alltag
Bei uns gibt es Bewegung nicht nur im extra Sportangebot, sondern über den ganzen Tag verteilt. Der Weg zum Waschbecken wird zur kleinen Wanderung, das Aufräumen zum Wettrennen mit der Zeit, der Morgenkreis bekommt ein Bewegungslied. Draußen im Garten dürfen die Kinder klettern, rennen, springen und auch mal richtig außer Atem kommen. Wir schaffen bewusst Gelegenheiten, bei denen Kinder ihren eigenen Körper ausprobieren und dabei ihr Gleichgewicht, ihre Kraft und ihr Vertrauen in sich selbst entwickeln können.
Was Bewegung fürs ganze Kind bedeutet
Ein Kind, das sich viel bewegt, lernt nicht nur schneller laufen oder besser klettern. Es lernt auch, mit Misserfolgen umzugehen, wenn ein Sprung nicht gelingt, und es beim nächsten Mal wieder zu versuchen. Es lernt, seinen eigenen Körper einzuschätzen und Risiken abzuwägen. Und ganz nebenbei baut Bewegung Stress ab und macht einfach Spaß – auch das ist wichtig für ein Kind, das sich in seiner Umgebung wohlfühlen und offen für Neues sein soll.
Wenn wir unsere Kinder rennen, klettern und lachen sehen, wissen wir: Genau das ist Lernen in seiner ursprünglichsten Form.
Laura
